22.– 23.9.23 / SETO / NAGOYA

22.– 23.9.23 / SETO / NAGOYA

Die Hälfte der Reise ist um und wir sind ziemlich fertig. Die tropenartige Schwüle setzt uns zu. Besprechungen, Austausch, Ordern, Hotelwechsel fast täglich, dass alles zerrt an den Kräften. Zimmernummern fotografieren wir neuerdings, um sie uns zu merken.

Wir sind in Seto. Seto ist Teil einer Region, die früher unter dem Begriff Yakimono als der Ursprung hochwertiger Keramik bekannt war. Sie umfasste die Regionen Mino, Seto und Arita, alle heute ganz berühmte Orte für KeramikkennerInnen. Wir waren heute auf Einladung der Seto Keramikassoziation in der Gegend rund um das schon seit einigen tausend Jahren genutzte Tonvorkommen unterwegs und haben ein paar Betriebe besucht.

Der berühmte Setokiln war die erste Anlage in Japan, in der Glasuren mit hoher Temperatur, also ca. 1400 Grad, hergestellt wurden. Das soll im frühen 13.Jahrhundert gewesen sein. Die Produkte wurden so populär, dass Seto-mono (Produkt aus Seto) zum Inbegriff für glasierte Keramik aus Japan wurde.

Unser Interesse gilt dabei zwei Produzenten, die eng mit der von Yanagi und Hamada initiierten Mingei Bewegung zu tun hatten. Beide arbeiteten traditionell mit Climbing Kilns, also einer Art Tunnelofen mit mehreren Kammern, die über einen Hügel hinauf angelegt wurden. Diese Öfen wurden noch bis Mitte des zwanzigsten Jahrhundert befeuert. Die Schlote spuckten dann wirklich Feuer und ein ganzes Tal lag unter einer dichten Rauchwolke. In der Nacht muss das so ausgesehen haben, als wäre ein feuerspeiender Drache über das Tal hergefallen.

Unsere erste Keramikwerkstatt, die wir besuchen, ist die von Yusuke. Mizuno Yusuke erzeugt nun in der siebenten Generation Keramik. In der wunderschön renovierten Anlage steht auch noch ein Climbing Kiln, der bis in die 50er Jahre regelmäßig eingeheizt wurde. Auch Hamada hat hier gearbeitet, bevor er weiter nach Mashoko zog und sich dort endgültig niederlies.

Im Museum von Hamada fanden wir ein äthiopischen Dreibeiner mit Verzierungen aus Kenia, hier finden wir neben einem der schönsten Kimonos, den wir je gesehen haben, ein Korb der Tonga aus Zimbabwe, wie wir sie auch bei uns führen. Mizuno und seine Schwester sind stolz darauf nicht dem Trend zur Massenfertigung gefolgt zu sein, es scheint sich auch wirtschaftlich als die richtige Entscheidung herausgestellt zu haben und das freut uns. Wir haben bei Ihnen gleich für 2024 geordert.

Ein paar hundert Meter weiter arbeitet Soya Kato mit seiner Mutter in einem Betrieb, der seit 14 Generationen besteht. Seit dem Tod seines Vaters Toshimichi Kato (1958–2019), einer Keramiklegende, die sich vor allem mit Vasen beschäftig hat, führen die beiden den Betrieb, der sogar den Ton selbst herstellt. In den fünfziger Jahren wurde der mit 14 Kammern weit und breit größte Climbing Kiln durch eine mit Öl befeuerten Tunnelofen ersetzt. Toshimichi hat auf schalenförmige Mörser in unterschiedlichen Größen gesetzt, die auch heute noch das Hauptgeschäft ausmachen.

Nur vier Mal im Jahr wird dafür der Ofen befeuert und neben den Mörsern, die sich auch hervorragend als Reis- oder Suppenschalen eignen, werden dann auch die wunderschöne Sake- und Teebecher, sowie Schüsseln und Schalen mit schwerer Glasur gebrannt. Essen in diesen Schalen serviert kommt ganz anders zur Geltung und so ist es kein Wunder, dass viele Chefs genau definieren auf welcher Schale oder Platte die jeweilige Kreation zu servieren ist.

Wir kennen Soya Kato und haben im Frühjahr bei ihm geordert. Diese Mörser und Schüsseln werden kommenden Monat im Oktober bei uns in Wien sein. Schön, dass wir ihm jetzt persönlich begegnet sind.

Zurück in Nagoya wurden wir beim Abendessen von sintflutartigem Regen überrascht, der nirgends angekündigt war. Auch in Japan haben die Wetterdienste offensichtlich ordentliche Probleme mit dem Klimawandel!

Davor ging sich noch ein Besuch beim berühmten Nagoya Castle, einer mächtigen Burg, mit wunderschön ausgestatteten Räumen aus, die zeigen, wie zeitlos schön japanische Innenarchitektur sein kann. Und dann haben wir noch eine alte Freundin getroffen, die wir aus ihren Studienzeiten in Wien kennen. Michijo ist heute eine sehr bekannte Opernsängerin und hat daneben einen Chor gegründet, der inzwischen in Japan viele Preise abgeräumt hat. Schön auch hier Freunde zu haben!

Am Samstag haben wir uns nur einen Termin in einer Galerie vorgenommen, den wir schon seit Jahren im Internet verfolgen. Analogue Life. Soeben gibt es eine Ausstellung eines großartigen Keramikers Satoshi Nishikawa, Professor an der Musashino Art University in Tokyo, hat für sich die besonderen Eigenschaften von Urushi interessiert und nutzt sie, um die Strukturen seiner Oberflächen zu betonen. Wir hoffen ihn bald einmal bei uns zeigen zu können.

Mit dem Shinkansen geht es von Nagoya nach Kyoto. Eine andere Stimmung empfängt uns an der Railway Station. Hektik. Lärm. Leuchtend Pink das Tower Hotel!

Wir sind gespannt auf Kyoto.

 

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